Carl Labs GmbH

Insolvenz bei Inkubatorplanung in Wien

Was als Brückenschlag zwischen Forschung und Markt gedacht war, galt in der Branche von Beginn an als waghalsig – nicht zuletzt, weil der Boom rund um spezialisierte Laborflächen seinen Höhepunkt bereits überschritten hatte. Nun ist das Wiener Biotech-Start-up Carl Labs GmbH (ehemals Abundance) insolvent.

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Die Carl Labs GmbH setzte in Liesing auf ein Modell, das voll ausgestattete Laborarbeitsplätze an junge Biotech-Firmen vermietet. Die Idee: Infrastrukturhürden senken und Entwicklung beschleunigen. Finanziert wurde das Vorhaben unter anderem über Wandeldarlehen in Höhe von 1,25 Mio. Euro.

Das Pilotprojekt mit rund 1.200 Quadratmetern Laborfläche war 2023 zwar rasch vermietet. Doch die Rahmenbedingungen änderten sich schnell: Zwei zentrale Mieter gerieten in die Insolvenz, parallel verschlechterte sich das Marktumfeld spürbar.

An eigener Ambition gescheitert oder an der Investorenzurückhaltung?

Besonders ambitioniert war ein zweites Vorhaben: ein „BiotechHub“ mit 18.000 Quadratmetern Laborfläche (transkript.de berichtete vor rund einem Jahr darüber) und einem Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Euro. Doch auch dieses Projekt ist hinfällig – nicht zuletzt, weil Projektpartner 6B47 Real Estate Investors AG selbst in die Insolvenz rutschte.

Insgesamt sind 31 Gläubiger und drei Beschäftigte betroffen. Die Passiva belaufen sich auf rund 4,17 Mio. Euro. Ob und in welcher Form eine Fortführung möglich ist, wird nun die Insolvenzverwaltung prüfen.

Start-ups sind ein Risiko – auch für Immobilienprojekte

Auch der zusätzlich geplante Begleitfonds, gedacht als finanzielle Grundunterstützung für Start-ups, ist damit vom Tisch. Die Erfahrung an anderen Standorten zeigt, dass großvolumige Real-Estate-Projekte in den Life Sciences nur nachhaltig funktionieren, wenn von Anfang an ein finanzstarker Mieter für die Projektentwicklung  bereitsteht beziehungsweise gewonnen werden konnte. Das riskantere Vermietungsgeschäft mit Start-ups, die selbst noch auf wackeligen Finanzierungsbeinen stehen, sollte dagegen eher im öffentlich (teil-)finanzierten Bereich angesiedelt und realisiert werden als klassisches Gründerzentrum – in Anlehung an eine Hochschule oder ein Forschungszentrum. Alternative wäre nur, wenn ein oder mehrere große Pharmapartner die Infrastruktur wegen des interessanten Inhalts (den Start-ups) kofinanzieren, wie dies dem internationalen Betreiber der Biolabs-Standorte gelungen ist.

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